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Leseprobe Pfadfinderehrenwort

(erster Großbritannien-Krimi)

Heute würde sich allerdings Dr. Walters Vorzimmerdrachen das letzte Mal in seinem Büro ausbreiten. Das wollte er dieser alten Junger jetzt dann auch gleich unter die Nase reiben. Mit einem hämischen Grinsen dachte er an das Gesicht, das sie dabei machen würde. Er wusste, dass sie ihn nicht mochte, nein … hasste! Vor allem seit er sich vor ein paar Wochen mal ihren Dr. Walters gegriffen hatte. Das war auch einer der Sorte, der meinte, es gehe immer im alten Trott weiter. Aber er musste aufpassen. Der Alte war eigentlich ein heller Kopf und seine stärkste Waffe für das neue Forschungsprojekt, und er durfte ihn nicht vergraulen. Nicht jetzt, da er schon genügend andere Sorgen hatte. Sein Sohn David war nicht die einizige Front, an der er zu kämpfen hatte, wenn auch die schwerste.
Als er an sein letztes Gespräch mit der jungen Frau dachte, stieg plötzlich eine unglaubliche Wut in ihm auf. Diese Anschuldigungen würde er sich nicht weiter gefallen lassen. Es war eine einzige Farce, ein dummer Witz! Aber so nicht! Er brauchte seine Kraft jetzt wahrlich für wichtigere Dinge. Er würde ein paar Scheinchen drauflegen, und dann war diese leidige Sache ganz schnell erledigt, dessen war er sich sicher. Wenn es um Geld ging, hatte noch niemand nein gesagt. Das würde er dieser Wahnsinnigen auch beim nächsten Mal klarmachen.

Christopher Parson war mittlerweile vor seiner Bürotür angekommen und suchte in seiner Jackettasche nach seinem Schlüssel. Missmutig sperrte er die Tür auf. Es würde alles wieder gut werden … Irgenwann … Es konnte doch nicht immer so weitergehen. Obwohl ihn in letzter Zeit ständig Magenschmerzen plagten, ging er nach wenigen Minuten in die angrenzende Kaffeeküche, um sich erst mal einen starken Kaffee zu kochen. Eigentlich sah er das ja nicht als sein Aufgabengebiet an – wie so manches hier – aber wenn er nur an Deborahs abenteuerliches Gebräu dachte, das sie ihm jeden Tag aufzutischen versuchte, wurde ihm schon schlecht. Und bei Lily Sharp musste er befürchten, jeden Moment vergiftet zu werden, abgesehen davon, dass er diese Person niemals um etwas bitten würde … ganz im Gegenteil!
Gerade als er die Kaffeemaschine einschalten wollte, glaubte er ein Geräusch aus seinem Büro zu hören. Wer war denn um diese Zeit schon da? Und vor allem – wer marschierte hier, ohne um Erlaubnis zu fragen, direkt in sein Allerheiligstes? Deborahs hochhackigen Schuhe hätte er doch schon auf der Treppe gehört. Wahrscheinlich diese penetrante Sharp. Umso besser, dann konnte er ihr gleich mal sagen, was Sache war.

Mit energischen Schritten ging er den Korridor entlang und direkt in sein Büro. Doch zu seiner Verwunderung war der Raum leer. Seltsam, dachte er, ich hätte schwören können, ich hab jemanden gehört. Gerade als er sich wieder umdrehen und auf den Gang hinausgehen wollte, nahm er im rechten Augenwinkel eine Bewegung wahr. Aber ihm blieb keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, warum sich jemand hinter der Tür versteckt hatte, denn der Stich kam ganz gezielt und traf ihn mitten ins Herz.

Er spürte keinen Schmerz, nur Kälte, die sich plötzlich in ihm ausbreitete … furchtbare Kälte.

Leserstimmen zu "Pfadfinderehrenwort"

„Glückwunsch an die Autorin! Ein geglückter Kriminalroman, der im universitären Milieu von Canterbury spielt. Die vielen überraschenden Wendungen vermitteln dem Leser das Gefühl live dabei zu sein und lassen keine Langeweile aufkommen.“ (Leserrezension)

„Ein äußerst gelungenes Debüt. Hoffe, schon bald mehr von Inspector Philips und Sergeant O’Connor zu lesen.“ (Leserrezension)